„Ganz nah so fern“ von Barbara Holub & Paul Rajakovics
Stimmen und Bilder aus Satellitenschüsseln sprechen heute oft mehr zu uns, als wir selbst miteinander. Sie bringen Parallelwelten in unsere Wohnzimmer, begleitet von dem Versprechen, damit an der Welt teilzuhaben. Jede für sich. Ganz individuell und frei von Fixkosten. Die Satelitenschüssel ist ein Signifikat des Wohnbaus. Sie markiert allgegenwärtig den urbanen und ruralen Raum.
Die Fassade der BUWOG am Hietzinger Kai wendet ihre Abseitsseite des Wohnens - jene, die nicht spricht - dem vielbefahrenen Kai zu.
„Ganz nah so fern“ setzt eine raumgreifende, überdimensionale Satellitenschüssel aus vielen kleinen Satellitenschüsseln zusammen, die zu flirren scheinen, so als würden sie versuchen, ihre vielen kleinen Blicke den vorüberfahrenden Autos zuzuwenden. „Ganz nah so fern“ kann auch als Bild einer möglichen Kollektivität gegenüber der Vereinzelung grösserer Wohnanlagen gelesen werden, entspricht die Anzahl der Satellitenschüsseln doch ca. jener der Bewohner.
Die Fassade tritt somit in direkte Kommunikation mit den Passanten und wirbt um ein Gegenüber, um einen Dialog, der nicht mehr genau zu orten ist.
"transparadiso"
transparadiso wurde 1999 von Barbara Holub (Künstlerin) und Paul Rajakovics (Architekt und Urbanist) als Plattform zwischen urbanen und künstlerischen Interventionen, Architektur und Urbanismus gegründet. transparadiso beschäftigt sich mit urbanen Fragestellungen auf verschiedensten Ebenen, und entwickelt dabei über die Frage des Handelns im urbanen Raum immer wieder neue Tools, welche für die von transparadiso als „direct urbanism“ bezeichneten Aktionen im öffentlichen Raum eingesetzt werden. 2004 erhielt transparadiso das Schindlerstipendium des MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles.
transparadiso realisiert derzeit ein neues Quartier mit Wohnen, Kultur- und Geschäftsnutzungen in Salzburg Lehen (Otto-Wagner-Städtebaupreis 2007). Die nächste temporäre Intervention, „Uitzicht op!“, ein Public Periscope für das „Blue House“ von Jeanne van Heeswijk in Amsterdam/ Ijburg findet demnächst statt.
